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Der reale Mensch im Konflikt - Vom Nutzen der empirischen Konfliktforschung für die Mediation

Konsensuale Streitbeilegung durch Mediation ist die Alternative zur streitigen Auseinandersetzung vor Gericht. Eine Alternative sein bedeutet jedoch, dass eine Wahl getroffen werden kann zwischen der einen oder der anderen Art der Konfliktbehandlung. Wie wird diese Wahl von den realen Konfliktparteien getroffen und von welchen Motiven und Überlegungen lassen sie sich dabei leiten? Es ist ein Trugschluss anzunehmen, die Beteiligten eines realen Konflikts seien ohne weiteres zu seiner gütlichen Beilegung bereit, wenn sie nur wissen, dass es sich um eine an sich vorteilhafte Lösung handelt und sie die Unterstützung von Seiten eines Mediators erfahren. Für die „reale Konfliktpartei“ spielt vielmehr ein Bündel von Erwägungen, Annahmen sowie Dispositionen kognitiver und psychischer Art eine Rolle, die sich nicht vollständig  in das traditionelle Konzept einer vernünftig und kalkulierend vorgehenden Konfliktpartei einfügen lassen. Ein Teil dieser Determinanten wirkt sich konfliktverstärkend aus, während ein anderer Teil die dem Menschen eingeschriebene Neigung zu Mitgefühl und Kooperation reflektiert und deshalb Chancen für die Konfliktvermeidung und Streitbeilegung bietet.

Die aktuelle Forschung zu den Bestimmungsfaktoren realen Konfliktverhaltens steht im Mittelpunkt des 14. Mediations-Kongresses 2010, der am 29./30. April 2010 in Bonn stattfindet. Die Veranstaltung wird von der Centrale für Mediation, Köln, in Kooperation mit dem Institut für deutsches und internationales Zivilprozessrecht sowie Konfliktmanagement der Universität Bonn durchgeführt. Die Problematik wird aus der Sicht verschiedener Disziplinen – empirische Wirtschaftsforschung, Neurologie, Psychologie, Rechtswissenschaft – präsentiert und diskutiert werden. Darüber hinaus legen wir großen Wert auf die „Erdung“ der Kongressthemen in den verschiedenen Konfliktbereichen der Lebenswelt – Arbeit, Unternehmen, Familie. Hier wird ein Schwerpunkt der Workshops und Foren liegen.

Wir sind sicher, Ihnen hochinteressante Themen und Referenten bieten zu können und freuen uns auf spannende Diskussionen im April 2010 in Bonn.

Ihr

Prof. Dr. Gerhard Wagner